Gertrud Rantzen | 2022 wird ein Jahr voller Veränderungen

Das zweite Pandemiejahr war sowohl für die deutsche als auch die slowenische Wirtschaft voller Herausforderungen – von der Lieferkettenkrise, den enormen Steigerungen der Energie- und Rohstoffpreise, bis hin zum Fachkräftemangel. Welches Fazit zieht die AHK Slowenien zum deutsch-slowenischen Geschäft im Jahr 2021? Und welche Chancen bringt das neue Jahr? Gertrud Rantzen, die bis zum 31. März 2022 amtierende Vorstandsvorsitzende, wagt kurz vor Abschluss ihrer langjährigen Amtszeit in Slowenien ihren letzten Ausblick in die Zukunft.

Frau Rantzen, 2021 war wieder kein einfaches Jahr für den Handel. Wie fällt Ihr Fazit für die deutsch-slowenischen Geschäftsbeziehungen aus?

Die Wirtschaftsbeziehungen befinden sich auf einem hohen Niveau. Nach dem Einbruch in 2020 verzeichnete das Handelsvolumen – trotz der widrigen Umstände – im Jahr 2021 einen massiven Anstieg. Die deutschen Exporte nach Slowenien stiegen um 24 Prozent an. Zeitgleich stiegen die Importe aus Slowenien nach Deutschland um 19 Prozent. Insgesamt stieg das Handelsvolumen zwischen Slowenien und Deutschland von 10,5 Milliarden Euro im Jahr 2020 auf fast 13 Milliarden im Jahr 2021 an. Dies entspricht nicht nur einem prozentualen Anstieg von 21,3 Prozent im Vorjahresvergleich, sondern auch einem Rekordwert in der Geschichte des deutsch-slowenischen Handels. Somit verbesserte sich Slowenien gegenüber dem Vorjahr um einen weiteren Platz und rangiert nun auf Platz 35 der wichtigsten deutschen Handelspartner. Auch im Vergleich mit anderen Staaten der Europäischen Union verbesserte sich Slowenien um einen weiteren Platz und liegt nun an 17. Stelle auf der Rangliste der wichtigsten europäischen Handelspartner Deutschlands. Des Weiteren zählt Slowenien nach wie vor zu den wenigen Staaten, die im Außenhandelssaldo mit Deutschland ein Plus verzeichnen können. Im Jahr 2021 lag der Überschuss Sloweniens bei knapp 565 Millionen Euro. Das sind sehr gute Zahlen, die die enge gegenseitige Verknüpfung unserer Ökonomien aufzeigen.

„Insgesamt stieg das Handelsvolumen zwischen Slowenien und Deutschland in 2021 von 10,5 Milliarden Euro im Jahr 2020 auf fast 13 Milliarden im Jahr 2021 an. Dies entspricht nicht nur einem prozentualen Anstieg von 21,3 Prozent im Vorjahresvergleich, sondern auch einem Rekordwert in der Geschichte des deutsch-slowenischen Handels.“

Welche Warengruppen spielen dabei eine besondere Rolle?

Traditionell haben die Zulieferprodukte für die Automobilindustrie stets eine wichtige Rolle gespielt. Zunehmend kommen allerdings auch Produkte für den Endverbraucher, wie zum Beispiel Produkte rund ums Haus und insbesondere Fertighäuser, hinzu.

Wie entwickeln sich die deutschen Investitionen in Slowenien?

Wir unterscheiden hierbei immer Neuinvestitionen und Erweiterungsinvestitionen. Deutsche Unternehmen fangen in der Regel mit kleineren Produktionseinheiten an und erweitern diese im Laufe der Zeit entsprechend. Uns liegen derzeit noch keine konkreten Angaben zum Anteil der Erweiterungsinvestitionen an den Investitionen im letzten Jahr vor.

Slowenien ist in letzter Zeit wieder verstärkt in den Fokus für Neuinvestitionen gerückt. Die Anfragen nehmen wieder zu. Entscheidend für den Aufbau einer Produktionsstätte in Slowenien ist dabei die Verfügbarkeit von Fachkräften.

Was tut die AHK, um 2022 den Dialog beider Länder zu fördern?

Das Jahr 2022 steht unter dem Motto der Nachhaltigkeit. Wir haben dazu im Januar im Rahmen unseres digitalen Jahresempfanges, mit der Verleihung des Preises der deutschen Wirtschaft zur Nachhaltigkeit, genauer zur sozialen Verantwortung der Unternehmen, begonnen. Im Mai erfolgt dann  der Deutsch-Slowenische Wirtschaftstag, mit namhaften Mitgliedern, die bereits zu diesem Thema aktiv sind. Parallel dazu laufen nun die AHK Think Factory Treffen, wo Wissen zwischen Mitgliedsunternehmen ausgetauscht wird und Diskussionen über aktuelle Herausforderungen der Unternehmen im Bereich Nachhaltigkeit geführt werden. Zudem ist eine Best-Practice-Reise nach Deutschland geplant. Sie dient dem Austausch mit unseren Mitgliedern, Partnern und vielem mehr.

Wir denken, dass das Thema Nachhaltigkeit uns noch in den nächsten Jahren beschäftigen wird und auch in Zukunft ausschlaggebend für die Wirtschaftsbeziehungen zwischen unseren beiden Ländern sein wird. Dies liegt insbesondere daran, dass sich Deutschland – auch durch den Regierungswechsel im letzten Herbst – der grünen Transformation verschrieben hat.

„Es wird ein Jahr voller Veränderungen. Die Auswirkungen der russischen Invasion in der Ukraine und der damit verbundenen Wirtschaftssanktionen spürt sowohl die deutsche als auch die slowenische Wirtschaft in der ganzen Breite. Die dadurch verbundenen Störungen in der Lieferkette und Logistik sowie der Anstieg der Energie- und Rohstoffpreise werden sich noch verstärken. Seitens Deutschlands ist eine höhere Nachfrage nach slowenischen Lieferanten und Güter zu erwarten.“ 

Wie lautet Ihre Prognose für 2022?

Es wird ein Jahr voller Veränderungen. Die Auswirkungen der russischen Invasion in der Ukraine und der damit verbundenen Wirtschaftssanktionen spürt sowohl die deutsche als auch die slowenische Wirtschaft in der ganzen Breite. Die dadurch verbundenen Störungen in der Lieferkette und Logistik sowie der Anstieg der Energie- und Rohstoffpreise werden sich noch verstärken. Seitens Deutschlands ist eine höhere Nachfrage nach slowenischen Lieferanten und Güter zu erwarten.

Neue Geschäftsmodelle haben sich durch die Einschränkungen in der Pandemie etabliert. Die Geschäftserwartungen sind, trotz der immer noch widrigen Umstände bei der Sicherung der Zulieferung, wieder optimistischer. Entscheidend für ein nachhaltiges Wachstum wird jedoch sein, wie der Fachkräftebedarf sowohl in Deutschland als auch in Slowenien zukünftig gesichert werden kann. Hier muss ein gesellschaftliches und politisches Umdenken in Bezug auf die Bildung und insbesondere die berufliche Ausbildung stattfinden.

Autorin: Anja Slekovec