{"id":501,"date":"2020-11-19T14:27:45","date_gmt":"2020-11-19T14:27:45","guid":{"rendered":"https:\/\/ahkblog.si\/?p=501"},"modified":"2020-11-19T14:27:45","modified_gmt":"2020-11-19T14:27:45","slug":"interview-mit-adrian-pollmann-und-natalie-kauther-deutschlands-neuem-botschafterpaar-in-slowenien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ahkblog.si\/de\/business-know-how-de\/interview\/interview-mit-adrian-pollmann-und-natalie-kauther-deutschlands-neuem-botschafterpaar-in-slowenien\/","title":{"rendered":"Interview mit Adrian Pollmann und Natalie Kauther, Deutschlands neuem Botschafterpaar in Slowenien"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ihre Exzellenz Herr Pollmann, Ihre Exzellenz Frau Kauther, nochmals herzlich willkommen in Slowenien! Sie leben seit Juli in der Hauptstadt Ljubljana \u2013 wie sind Ihre ersten Eindr\u00fccke vom Leben und Arbeiten im Land?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Adrian Pollmann: <\/strong>F\u00fcr uns beide war Slowenien ein Wunschposten. Wir sind begeistert von der landschaftlichen Sch\u00f6nheit und dem kulturellen Reichtum des Landes, von der Gastfreundschaft der Menschen. Ljubljana ist eine sch\u00f6ne und faszinierende Stadt, in der wir sehr gerne leben. Auch weil wir wissen, dass unsere Kinder hier gut und sicher aufwachsen k\u00f6nnen. Was das Arbeiten anbetrifft: Wir freuen uns darauf, mit m\u00f6glichst vielen Menschen im ganzen Land ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Leider macht uns die Corona-Pandemie derzeit oft einen Strich durch die Rechnung, aber wir sind ja zum Gl\u00fcck noch ein paar Jahre hier!<\/p>\n<p><strong>Sie sind verheiratet, teilen sich den Botschafterposten in Slowenien und gelten als Pioniere des sog. <em>Job-Sharing-Modells<\/em> im Ausw\u00e4rtigem Amt. Wie ist es dazu gekommen und was sind die Vorteile dieses Modells? Gibt es auch Nachteile?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Natalie Kauther:<\/strong> Die Frage der Vereinbarkeit von Beruf und Familie stellt sich heutzutage in jedem Berufszweig, alle arbeitenden Eltern d\u00fcrften das Problem kennen. F\u00fcr die Diplomatie gilt das vielleicht noch einmal ganz besonders: Wir bleiben immer nur wenige Jahre an einem Ort, bevor wir dann an den n\u00e4chsten Posten versetzt werden \u2013 f\u00fcr die Kinder eine zus\u00e4tzliche enorme Herausforderung. Unser Wunsch war es, hierauf besonders R\u00fccksicht zu nehmen. Und da das Ausw\u00e4rtige Amt in einer sich ver\u00e4ndernden Arbeitsgesellschaft ein attraktiver Arbeitgeber bleiben will, muss es auf die famili\u00e4re Situation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zunehmend R\u00fccksicht nehmen. Es war daher sofort bereit, gemeinsam mit uns diesen Weg zu gehen, der ganz so neu \u00fcbrigens gar nicht ist \u2013 wir haben uns schon in Bosnien und Herzegowina den Posten des Stellvertretenden Botschafters geteilt, auch in Schweden und Montreal teilen sich verheiratete Kollegen einen Posten, wenn auch bislang noch nicht auf der Botschafter-Ebene, da sind wir tats\u00e4chlich Pioniere.<\/p>\n<p>Wir werden uns nun alle acht Monate auf dem Posten des Botschafters abwechseln, so dass jeweils einer von uns beiden mehr Zeit f\u00fcr die Kinder hat und auch ein Krankheitsfall oder wochenlange Schulferien ohne Probleme zu Hause aufgefangen werden k\u00f6nnen. Die gro\u00dfe Herausforderung f\u00fcr den nahtlosen Wechsel in der Botschaft ist nat\u00fcrlich eine enge Abstimmung. Aber das sind wir als Eltern ja ohnehin gew\u00f6hnt, und es gilt im Beruf wie in der Familie: Am besten funktioniert es, wenn man sich gut abspricht.<\/p>\n<figure id=\"attachment_498\" aria-describedby=\"caption-attachment-498\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-498 size-large\" src=\"https:\/\/ahkblog.si\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/C75T9628-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/ahkblog.si\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/C75T9628-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/ahkblog.si\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/C75T9628-300x200.jpg 300w, https:\/\/ahkblog.si\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/C75T9628-768x512.jpg 768w, https:\/\/ahkblog.si\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/C75T9628-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/ahkblog.si\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/C75T9628-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/ahkblog.si\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/C75T9628-24x16.jpg 24w, https:\/\/ahkblog.si\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/C75T9628-36x24.jpg 36w, https:\/\/ahkblog.si\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/C75T9628-48x32.jpg 48w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-498\" class=\"wp-caption-text\">Natalie Kauther: \u201eDie gro\u00dfe Herausforderung f\u00fcr den nahtlosen Wechsel in der Botschaft ist nat\u00fcrlich eine enge Abstimmung. Aber das sind wir als Eltern ja ohnehin gew\u00f6hnt, und es gilt im Beruf wie in der Familie: Am besten funktioniert es, wenn man sich gut abspricht.\u201c (Foto: \u00a9 \u017deljko Stevani\u0107\/IFP)<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Welche Themen sind Ihnen im Rahmen der bilateralen Zusammenarbeit besonders wichtig?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Natalie Kauther:<\/strong> Durch die Trio-Ratspr\u00e4sidentschaft, bestehend aus Deutschland, Portugal und Slowenien, stehen derzeit insbesondere europ\u00e4ische Themen im Mittelpunkt unserer Zusammenarbeit. Wir wollen weiter auf dem Weg in Richtung eines starken, solidarischen und offenen Europa gehen. Wir wollen die EU und ihre Mitgliedstaaten zukunftsf\u00e4hig machen. Dazu z\u00e4hlen insbesondere die Fragen von Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Digitalisierung.<\/p>\n<p>Damit die EU weltweit Geh\u00f6r findet, muss sie an einem Strang ziehen und mit einer Stimme sprechen. In diesem Sinne haben wir auch das Motto der deutschen EU-Ratspr\u00e4sidentschaft formuliert: \u201eGemeinsam. Europa wieder stark machen\u201c.<\/p>\n<p><strong>Adrian Pollmann:<\/strong> All dies bedeutet aber nat\u00fcrlich nicht, dass wir die bilateralen Themen vernachl\u00e4ssigen. Deutschland und Slowenien verbindet viel, die Beziehungen sind eng und gut. Wirtschaftlich ist Deutschland der wichtigste Partner Sloweniens, mit knapp 20 % Anteil am slowenischen Handel. Etwa 500 deutsche Unternehmen sind in Slowenien t\u00e4tig, wir sind in vielen industriellen Bereichen eng verbunden, nehmen Sie beispielsweise die Autoindustrie. Hier wollen wir unterst\u00fctzen, wo wir k\u00f6nnen, und dabei helfen, dass die Wirtschaft unserer beiden L\u00e4nder davon gr\u00f6\u00dftm\u00f6glich profitiert.<\/p>\n<p>Auch kulturell verbindet uns vieles. Deutsch ist nach Englisch die beliebteste Fremdsprache in Slowenien, viele zieht es f\u00fcr das Studium nach Deutschland. Gleichzeitig interessieren sich immer mehr junge Menschen in Deutschland f\u00fcr Slowenien, viele kommen etwa als Erasmus-Studierende ins Land \u2013 eine sehr erfreuliche Entwicklung, die wir als Botschaft unterst\u00fctzen wollen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_496\" aria-describedby=\"caption-attachment-496\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-496 size-large\" src=\"https:\/\/ahkblog.si\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/C75T9672-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/ahkblog.si\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/C75T9672-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/ahkblog.si\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/C75T9672-300x200.jpg 300w, https:\/\/ahkblog.si\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/C75T9672-768x512.jpg 768w, https:\/\/ahkblog.si\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/C75T9672-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/ahkblog.si\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/C75T9672-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/ahkblog.si\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/C75T9672-24x16.jpg 24w, https:\/\/ahkblog.si\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/C75T9672-36x24.jpg 36w, https:\/\/ahkblog.si\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/C75T9672-48x32.jpg 48w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-496\" class=\"wp-caption-text\">Adrian Pollmann: \u201eEtwa 500 deutsche Unternehmen sind in Slowenien t\u00e4tig, wir sind in vielen industriellen Bereichen eng verbunden, nehmen Sie beispielsweise die Autoindustrie. Hier wollen wir unterst\u00fctzen, wo wir k\u00f6nnen, und dabei helfen, dass die Wirtschaft unserer beiden L\u00e4nder davon gr\u00f6\u00dftm\u00f6glich profitiert.\u201c (Foto: \u00a9 \u017deljko Stevani\u0107\/IFP)<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Industrie 4.0 und Digitalisierung sind in den letzten Jahren ein wichtiges Thema im Rahmen der deutsch-slowenischen Zusammenarbeit gewesen. Was bringt uns die Zukunft in diesem Zusammenhang?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Adrian Pollmann:<\/strong> Die rasante technologische Entwicklung bietet eine Vielzahl von Chancen f\u00fcr Hochtechnologie-Nationen wie Slowenien und Deutschland. Dabei hilft auch die Unternehmensstruktur in beiden L\u00e4ndern: Es gibt eine Vielzahl von kleinen und mittleren Unternehmen, die oft an der Spitze der technologischen Innovation stehen. Auch die hervorragenden Forschungsinstitute in beiden L\u00e4ndern leisten hierf\u00fcr einen wichtigen Beitrag.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich f\u00fchren neue Technologien immer auch zu neuen Herausforderungen, und die betreffen unsere L\u00e4nder gleicherma\u00dfen. Die Arbeitswelt wird durch die Digitalisierung fundamental ver\u00e4ndert, und auf diese Ver\u00e4nderungen werden wir die richtigen Antworten finden m\u00fcssen. Dies ist letztlich eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Ich bin aber zuversichtlich, dass Slowenien und Deutschland insgesamt massiv wirtschaftlich von der Digitalisierung profitieren werden.<\/p>\n<p><strong>Natalie Kauther:<\/strong> Eine gro\u00dfe Herausforderung sehe ich auch im Bildungsbereich. Wir m\u00fcssen daf\u00fcr sorgen, dass alle Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler gut vorbereitet werden f\u00fcr den Arbeitsmarkt der Zukunft. Die reine Vermittlung von Wissen wird nicht ausreichen. Genauso wichtig ist es, Schl\u00fcsself\u00e4higkeiten f\u00fcr eine moderne Gesellschaft zu vermitteln: kritisches Denken, interkulturelle Kompetenz, Teamf\u00e4higkeit und nicht zuletzt digitale Kompetenz, die regelm\u00e4\u00dfig \u2013 auch im fortschreitenden Berufsleben \u2013 aktualisiert werden muss.<\/p>\n<p><strong>Deutschland ist mit einem Handelsvolumen von fast 12 Milliarden Euro im Jahr 2019 Sloweniens wichtigster Handelspartner und die deutsch-slowenischen Beziehungen sind sehr gut. Gibt es dennoch Verbesserungspotenzial? Planen Sie Aktivit\u00e4ten zu einem bestimmten Thema?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Adrian Pollmann:<\/strong> Slowenien ist auch f\u00fcr uns ein enger politischer Partner und ein wichtiger Handelspartner. Wir importieren mehr aus Slowenien als aus manch anderen, deutlich gr\u00f6\u00dferen EU-L\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Deutschland und Slowenien stehen wirtschaftlich gut da. Slowenien kann stolz auf die erfolgreiche Transformation der letzten drei Jahrzehnte sein. In Deutschland sind wir stolz auf die erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung der letzten zwei Jahrzehnte. Wir d\u00fcrfen uns aber nicht auf dem Erreichten ausruhen!<\/p>\n<p>Wie k\u00f6nnen wir daf\u00fcr sorgen, dass Europa zukunftsf\u00e4hig bleibt? Wie begegnen wir dem Klimawandel? Investieren wir genug in Innovation, Forschung, in Zukunftsfelder wie k\u00fcnstliche Intelligenz? Wie sorgen wir daf\u00fcr, dass Europa im weltweiten Wettbewerb um kluge und kreative K\u00f6pfe attraktiv bleibt? Das sind Fragen, die unsere beiden L\u00e4nder gleicherma\u00dfen besch\u00e4ftigen und in denen wir auch beide voneinander lernen k\u00f6nnen. Als Botschaft wollen wir an diesen wichtigen Debatten teilnehmen, kreative K\u00f6pfe und kritische Stimmen zusammenbringen \u2013 sobald die Entwicklung der Pandemie es wieder erlaubt.<\/p>\n<p>Interview: Anja Slekovec<\/p>\n<p>Foto: \u00a9 \u017deljko Stevani\u0107\/IFP<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Ende Juli sind Adrian Pollmann und Natalie Kauther neue Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Slowenien. Nach den ersten drei Monaten im Amt sprachen wir mit ihnen \u00fcber ihre neuen Aufgaben, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und das Leben in Slowenien. <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":492,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[51],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ahkblog.si\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/501"}],"collection":[{"href":"https:\/\/ahkblog.si\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ahkblog.si\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ahkblog.si\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ahkblog.si\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=501"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/ahkblog.si\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/501\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":508,"href":"https:\/\/ahkblog.si\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/501\/revisions\/508"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ahkblog.si\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/492"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ahkblog.si\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=501"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ahkblog.si\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=501"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ahkblog.si\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=501"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}